| Mensch ohne Hund: Roman |  | Autor: Håkan Nesser Urheber: Håkan Nesser, Christel Hildebrandt Verleger: btb Verlag
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Verkäufer: bubeck_esslingen Bewertung: 47 Rezensionen Verkaufsrang: 773
Medium: Taschenbuch Seiten: 544 Versandgewicht: 1 Maße (innen): 7.3 x 4.7 x 1.5
ISBN: 3442739322 EAN: 9783442739325 ASIN: 3442739322
Publikation: Mai 25, 2009 Verfügbarkeit: Versandfertig in 1 - 2 Werktagen
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Aus der Amazon.de-Redaktion Eine schrecklich nette Familie, die da zu zwei runden Geburtstagen kurz vor Weihnachten zusammenkommt. Es ist das klassische Setting einer "family reunion", die hier als klaustrophobische Familienhölle erzählt wird, die nur in einer Katastrophe enden kann. Mit Mensch ohne Hund meldet sich Håkan Nesser und bringt einen neuen Ermittler mit: Gunnar Barbarotti. Nesser lässt sich Zeit, ehe die Handlung an Fahrt gewinnt. Da werden alle Familienmitglieder ausführlich porträtiert, ihre Zwänge und Abgründe, gegenseitigen Antipathien, die Wut und der unterdrückte Hass. Ähnlich den länglichen Reisevorbereitungen der Protagonisten (ganz praktischer und seelischer Natur) hat es Nesser nicht eilig, einen Spannungsbogen zu konstruieren, der mit dem plötzlichen Verschwinden zuerst des missratenen Sohnes Walter und dann des Enkels Henrik seinen Anfang nimmt. Doch zuerst zu den dramatis personae: Da ist zunächst Karl-Erik der tyrannische Patriarch, ein frisch pensionierter Lehrer, der seinen Lebensabend in Spanien plant. Seine resignierte Frau Rosemarie funktioniert seit Jahrzehnten und fantasiert, wie sie ihren Mann umbringt. Ebba, Papas Lieblingstochter mit dem großen Potenzial, hat es bis zur Oberärztin gebracht, ihre Söhne haben sich innerlich längst von ihr verabschiedet. Kristina, die jüngste ist im Fernsehgeschäft tätig, unglücklich verheiratet, empfand ihre Familie immer schon als Gefängnis. Und dann ist da noch "Wichs-Walter", der glücklose Schöngeist und Weltenbummler, über den ganz Schweden lacht, seitdem er in einer Art "Dschungel-Camp" kompromittierend abgefilmt wurde. Sie alle fallen in das elterliche Haus ein "wie zwangsrekrutierte Soldaten zu einem befohlenen Krieg." Nachdem zuerst Walter nicht von einem nächtlichen Spaziergang zurückkehrt, verschwindet auch der Vorzeige-Enkel Henrik, der einen schwulen Lover hat, von dem niemand weiß - außer Tante Kristina, die ihn bei einem Rendezvous "auf den rechten Weg" zurückbringen will. Leider ist zur gleichen Zeit ihr Mann zu einem Überraschungsbesuch unterwegs... Gunnar Barbarotti, Nessers "Neuer", beginnt also zunächst in einer Vermisstensache zu ermitteln. Er ist Mitte Vierzig, geschieden, Vater von drei Kindern, und bislang hat er es - trotz des Jurastudiums - nur bis zum Inspektor gebracht. Ihm erspart der neue Fall ein Weihnachtsfest mit der Ex-Frau bei den Ex-Schwiegereltern, sodass er sich mit viel psychologischem Gespür und einiger Lust an der Provokation daran macht, die beharrlich schweigende Familie unter die Lupe zu nehmen. Vorsichtig klopft er deren Panzer ab, macht hier und da eine Probebohrung, horcht, tastet sich weiter, findet schließlich einen Riss, den er aufbrechen kann. Nesser scheint es in Mensch ohne Hund nicht in erster Linie um das so genannte "Who's dunnit" zu gehen - schließlich mündet das Buch in ein erstaunlich vorhersehbares Ende. Er erzählt eine Geschichte, die um die Grausamkeit der Heimkehr rotiert. Ein hervorragend respektloses Geschenk für das Frohe Fest! --Henrik Flor, Literaturtest
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Rezensionen anzeigen 1-5 von 47
Düster - Tiefgründig - ein wenig Verstörend - Menschlich - Fesselnd August 1, 2010 Nidaros Nesser-Krimis gehören bei mir zu den Büchern, die ich kaufe, ohne die Inhaltsangabe oder gar Bewertungen gelesen zu haben. Man sollte immer einen guten, ungelesenen Krimi zuhause haben. Und von Nesser bin ich bisher nur einmal enttäuscht worden.
Ich war skeptisch, wie Nesser seinen neuen Ermittler anlegen würde. Kommissar Van Veeteren hat durchaus Standards gesetzt, und ich hatte befüchtet, daß er einfach unter neuem Namen wieder aufersteht. Erstmal hatte ich aber keine Zeit zum lesen. Zufälligerweise kam kürzlich eine Verfilmung dieses Buches im Fernsehen, und die fand ich richtig schlecht. Dieser neue Inspektor war seltsam, die Story kaum durchschaubar, einzig die Landschaftsaufnahmen waren schön. Entsprechend länger lag das Buch unbeachtet auf dem Bücherstapel.
Gestern habe ich dann spontan doch zum Buch gegriffen - und ich habe mich schnell festgelesen. Daß zu Beginn überhaupt kein Inspektor Barbarotti mitspielt, fand ich erstmal seltsam, aber ich habe mich drauf eingelassen. Und es war toll. Nesser beschreibt die Familentragödie so anschaulich und spannend, daß ich es fast als störend empfand, als auf Seite 193 plötzlich der neue Ermittler die Bühne der Geschichte betritt. Barbarotti ist schon fast eher eine Nebenfigur, ein ganz normaler Typ, nicht der Superbulle Van Veeteren mit den tollen Instinkten. Er kommt oft ein bißchen zu spät oder steht auf dem Schlauch, das macht ihn menschlich. Wie auch all die anderen Personen sehr menschlich sind - Leute von nebenan. Deren Leben plötzlich aus den Fugen gerät.
An der ein oder anderen Stelle klemmt die Story ein bißchen, aber was soll's. Man stolpert gedanklich ein bißchen, fällt aber nicht hin - und schon gar nicht aus der Geschichte raus. Insgesamt ist das Buch sehr "skandinavisch" - zurückhaltend, oberflächlich ruhig, tiefgründig, nicht auf den ersten Blick durchschaubar. Man muß sich am Anfang auf den ruhigen Fluß der Geschichte einlassen, dann kann es einem passieren (wie mir), daß man in den Sog des Geschehens gerät, zu essen und trinken vergißt, und nachts um 2 Uhr das Buch weglegen muß, weil einem die Augen zufallen.
Die Verfilmung ist eine Katastrophe, wird dem Buch absolut nicht gerecht. Sie beginnt quasi auf Seite 193, der fürs Verständnis und die Spannung wichtige Anfang (genaugenommen die halbe Geschichte) fehlt. Wer also den Film gesehen hat, möge sich davon nicht abschrecken lassen!
Wer nur die Van Veeteren-Reihe kennt, muß sich ein bißchen umgewöhnen. Wer auch Nessers andere Bücher kennt und mag, wird nicht enttäuscht sein. Das Ganze ist weniger ein Krimi im Muster Mord - Ermitllung - Mörder gefunden. Es ist vielmehr eine familiäre Psychotragödie, in der auch noch ein Polizist mitspielt. Obwohl also der Fokus gar nicht so sehr auf dem Inspektor Barbarotti liegt, macht doch der erste Band Lust darauf, mehr von ihm zu lesen. Auch er ist ein Mensch wie Du und ich, mit interessanten Macken. Der erste Barbarotti-Roman wirft durchaus die ein oder andere Frage auf, die der Figur des Inspektors in den nächsten Bänden Raum zur Entwicklung lässt. Ich bin gespannt.
PS. Nachdem ich diesen Text fertig hatte, habe ich das Amazon-Video gesehen, in dem Nesser über Barbarotti spricht. Das macht mich nun richtig ungeduldig auf die weiteren Bände... Wer des Englischen einigermaßen mächtig ist, sollte sich das unbedingt anschauen: http://www.amazon.de/gp/mpd/permalink/mB21RBQ5QPUEK
nicht schlecht... Juli 12, 2010 S. Scherff 0 aus 1 fanden die folgende Rezension hilfreich
Ich habe zum ersten Mal einen Schwedenkrimi gelesen,und muss sagen er war toll.Die Namen und Orte Schwedens sind gewöhnungsbedürftig,aber naja,es ist halt so und man gewöhnt sich dran.Spannend nebenbei fand ich das Leben von Gunnar Barbarotti.Die Handlung an sich fängt spät an,man lernt erst Gunnar kennen und dann Familie Hermansson und merkt eigentlich von Anfang an die Spannung in der Familie und das ist interessant.
Klar ist das Buch lang und wer Tempo erwartet ist hier falsch.
Der Inhalt ist aber trotzdem sehr interessant.
Deshalb 5 Sterne
Depressionschub gratis dazu ... Mai 30, 2010 hypatia (Kiel) 1 aus 4 fanden die folgende Rezension hilfreich
Ich habe das Buch als Empfehlung gelesen - mein erster Nesser. Spannend und fesseln ohne Frage, aber tief düster und am Ende war man richtig depressiv in "Endzeitstimmung" - nein danke.
ehrgeiziger aber teilweise fragwürdiger Roman-Krimi Mai 3, 2010 arno (Hamburg) 2 aus 3 fanden die folgende Rezension hilfreich
Meine Güte, was tut sich Hakan Nesser teilweise schwer, den Plot voranzutreiben.
Bei einem Familientreffen in einem schwedischen Dorf verschwinden auf unerklärliche Weise zwei Familienmitglieder. Nesser konzentriert sich in seinem Roman auf über 190 Seiten zunächst nur darauf, die innere Einsamkeit und Bindungslosigkeit der schwedisch-trübsinnigen Charaktere einer bürgerlichen Familie zu schildern. Das ist leider manchmal etwas langatmig. Am besten gelungen finde ich die dargestellte Entfremdung des Senioren-Ehepaares Rosemarie und Karl-Erik. Es ist - jedenfalls bis hier - ein Gesellschaftsroman, kein Krimi.
Kommissar Barbarotti tritt erst auf Seite 193 erstmalig in Erscheinung. Da er eine neue Romanfigur Nessers ist, muss er jetzt auch erst einmal vorgestellt werden. Reichlich albern finde ich dabei Barbarottis "Deal mit Gott", auf den Nesser später ständig wieder zurückkommt (übrigens auch in den Folgeromanen). Zur Aufklärung des Kriminalfalles trägt Barbarotti kaum bei; er findet keinen rechten Zugang zu dem Fall und verläuft sich ständig in Sackgassen. Nesser wählt hier einen realistischen Ansatz. Genau wie sehr viele Morde nicht geplant und von krimineller Energie getragen sind, so spielt auch bei der Auflösung des Falles der Zufall eine größere Rolle als kriminalistischer Spürsinn und Cleverness.
Angenehm empfinde ich den Sprachstil und auch, dass Nesser auf die Darstellung brutaler Gewaltszenen verzichtet. Er legt starkes Gewicht auf psychologische Beschreibungen und wird gern auch einmal philosophisch.
Das hebt ihn positiv ab.
So baut Nesser z.B. an einer Stelle seines Romans die kurzgefassten Grundthesen der Philosophie der Stoiker ein. Ein weiteres Beispiel aus einem Gespräch Barbarottis mit seiner Kollegin Backmann:
"Eine Bewegung draußen vor dem Fenster erregt kurz Gunnar Barbarottis Aufmerksamkeit. Er drehte den Kopf und sah eine Elster, die angeflogen kam und sich auf dem Fernsterblech niederließ. Warum landest du da?, dachte er verblüfft. Bist du ein Bote des Teufels oder was? Einen Zweifel daran, dass der Teufel existierte, hatte Gunnar Barbarotti nie gehegt. Es war Gottes mögliche Existenz, die für ihn das Problem darstellte."
Deutlich gesagt werden muss aber,trotz der positiven Seiten des Romans:
Wer einen spannenden Krimi sucht sollte sich anders orientieren.
Großartig - bis zur letzten Seite! April 26, 2010 Apefred (Dortmund Deutschland) 1 aus 1 fanden die folgende Rezension hilfreich
Was für ein grandios komponierter Roman. Und obwohl man die Ausgangsposition schon leidlich zu kennen glaubt, versteht es Nesser immer noch einen drauf zu setzen. Eine Familientragödie bahnt sich langsam aber sicher einen Weg und teilweise wissen wir als Leser dieser brillanten Story natürlich mehr, als die Protagonisten. Aber auch nicht wirklich - und grade deshalb fesselt dieser Roman bis zum Schluss. Nesser führt einen neuen Kriminalbeamten ein und der ist dermaßen sympathisch, dass man ihm quasi auf die Sprünge helfen will. Denn für die meisten der Beteiligten, bleibt das spurlose Verschwinden von zwei Familienangehörigen ein Rätsel. Nesser gelingt es zudem, alle Rollen psychologisch fein zu zeichnen. Vom 14 jährigem Problemkind bis zum Schulmeister der mit 65 nun in den Ruhestand geht, seinen Geburtstag feiert, wobei die Lieblingstochter am gleichen Tag 40 wird. Kann ja alles nicht gut gehen. Das ist ein Roman, den man nicht zur Seite legen will.
Großartig!
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